Der ballerobernde Mittelfeldspieler – Ein Klärungsversuch

Wer kennt es nicht, man hat ein schönes System entworfen, beachtet Balancen und Aufgabenverteilung aber kassiert doch jedes Spiel 2 bis 3 Tore weil unsere Innenverteidiger blank stehen. Wo zum Teufel steckt der Spieler aus dem defensiven Mittelfeld? Er steht doch nicht umsonst dort, sogar auf Verteidigen eingestellt? Stunden und Tage des Leids später, wissen wir nicht was los ist…bis wir auf diese Seite stoßen und den ballerobernden Mittelfeldspieler richtig kennengelernt haben.

BEMHase

Das durchschnittliche Passprofil eines BEMs in der Unterstützen – Duty. Man beachte dass er definitiv keine 6 ist, sondern sich wie ein BBM verhält. Mit dem Unterschied, dass er noch mehr dem Ball hinterher jagt.

Keine Rolle habe ich so verflucht wie den BeM. Ich bin ein Freund des hohen Pressings, Stürmer die den Ball vorne holen und Druck ausüben, bis die Welle im Mittelfeld ankommt und spätestens dort von meinem Fels im defensiven Mittelfeld gebrochen wird. Dumm nur, wenn der Fels selber ein Tsunami ist und den Ball übers Feld jagt, wie der Fuchs den Hasen.

DMHeatmap

Die Heatmap – der BeM ist im mittleren Kanal überall unterwegs und versucht sein Spiel aufzuzwingen, beansprucht aber keine eindeutige Zone des Felds für sich.

Der BeM ist trotz ansprechender Beschreibung und Aufgabenprofil kein Mann für ein strukturiertes System, bei dem die defensive Hauptlast im Mittelfeld auf ihm liegen soll. Von Natur aus presst der BeM mehr, sucht den Gegner und geht in Zweikämpfe. Hinter sich lässt er oftmals Lücken, die nicht mehr im Mittelfeld zu stopfen sind. Er kann also als Spezialwaffe eingesetzt werden, als rasender Abräumer im Mittelfeld der schnell den Ballbesitz erobert und Konter einleitet, jedoch nicht als die Burgmauer, welche die Abwehr abschirmt. Tery hat auf seiner Seite FM.Zweierkette eine schöne Beschreibung des BeMs formuliert, und Cleon in seinem Blog bereits die Probleme des BeM erfasst.

Pressing versus Stabilität

Man braucht für ihn immer ein Gegengewicht. Stellt euch den BeM als einen aggressiven Hofhund vor, der die Einbrecher querfeldein jagt, aber hinter sich noch einen Wachmann im Häuschen braucht, der den Eingang im Auge hat. Ein einfacher, defensiver Mittelfeldspieler reicht meist nicht aus, um den Vorwärtsdrang auszugleichen und zu balancieren. Ein tiefer Sechser oder ein Abräumer als Partner im DM bzw hinter dem BeM, sofern dieser im zentralen Mittelfeld sein sollte, ist notwendig. Nur so erhält man die notwendige Stabilität. Eventuell noch durch einen tiefstehenden Spielmacher im defensiven Mittelfeld, der eine hohe Einsatzfreude, Teamwork besitzt und zudem defensiv beschlagen ist. Das würde ich aber nur Mannschaften der Spitzenklasse empfehlen, alle andere werden damit meiner Meinung nach nicht glücklich.

Wenn ich also einen BeM einsetze, dann nur wohl überlegt und mit einem Plan im Hinterkopf. Nach meinen Erfahrungen kann ich folgende 4 Varianten guten Gewissens empfehlen. Es gibt hier mit Sicherheit andere Meinungen, doch ich richte mich an diejenigen, die erstmal nicht lange rumbasteln wollen.

Vier mögliche Konfigurationen:

Variante 1: BeM im ZM, daneben ein Kreativer Spielmacher, hinter ihm ein tiefer Sechser oder Abräumer (Meine Präferenz)

BEMVar1

Der Spielmacher (Gerne auch Vertikal oder Zurückgezogen) sorgt für die kreativen Momente, der BeM schirmt ihn ab und kann bei Ballverlusten durch Pässe mit hohem Risiko oder wenn der Spielmacher von physisch stärkeren Gegnern angegriffen wird, direkt eingreifen und beim Pressen unterstützen. Als Sicherheit steht dahinter der solide Abräumer.


Variante 2: BeM im DM, daneben der haltende Mittelfeldspieler (Abr o. TS):

BEMVar2

Fast analoges Bild zu Variante 1, nur dass der BeM von seiner natürlichen Ausrichtung tiefer steht. Mir gefällt das nicht ganz so gut, weil seine Läufe dann vorne fehlen und er dem Spielmacher etwas alleine lässt. Definitiv aber machbar, wenn man sowieso mit einer tieferen Defensivlinie und vorsichtigeren Mentalität spielen will.


Variante 3: BeM im DM, davor ein haltender Mittelfeldspieler (MZ mit Verteidigungs – Duty – Risiko):

BEMSMMZBEM

Hier braucht man einen guten MZ, der Ausdauer und hohe Verteidigungswerte hat, seine Aufgabe als haltender Spieler auch wirklich wahr nimmt. Der BeM scheint tief zu stehen, wird aber jedes mal nach vorne durchbrechen, sobald der Spielmacher und sein Partner im Mittelfeld gefährdet sind oder der Ball sonst wie in die Nähe kommt. In diese Lücken muss der MZ einspringen – Das ist häufig schwierig zu balancieren und macht auch adäquate, bevorzugte Spielweisen wie „Immer hinten bleiben“ oder „Dribbelt nicht mit dem Ball“ beim MZ notwendig.


Variante 4: BeM im ZM, daneben ein Läufer und Unterstützer (z.B. BBM oder MZ) dahinter ein tiefsitzender Spielmacher mit Verteidigungs – Duty (Risiko !) – Den MZ könnte man sogar noch auf Angriff stellen, wenn man zu wenig Anschluss an die Angriffsreihe hat oder einen BBM benutzen.

BEMVar4

Das ist die gefährlichste Variante, aber auch die mit dem höchsten Druck im Mittelfeld. Der MZ und BeM sollen wie Arbeitspferde den Gegner durch Läufe und Zweikämpfe abnutzen. Dabei ist es wichtig dass auch hier der MZ eine gewisse Form der Positionsdisziplin ausübt. Der Spielmacher dahinter kann nicht weit zur Offensive aufschließen und muss stets seine Position halten und physisch auch Zweikämpfe bestreiten können – Keine leichte Variante, aber mit den richtigen Spielern entwickelt man unglaublichen Druck, der ideales Pressing und Gegenpressing ermöglicht.


Ich hoffe ich konnte euch etwas Erleuchtung in diese Rolle bringen. Mit der richtigen Aufgabe und dem Einfügen in eine solide Truppe, kann der BeM ein sehr effektives Pressingmonster und ein guter Unterstützer sein, da er viel rennt und viel arbeitet (Siehe Heatmap und Passquote). Aber er ist und bleibt kein defensiver Support oder Backup, der die Verteidigung entlastet.

Liked it? Take a second to support joeyBanana on Patreon!

1 Kommentar

  1. Schöner und wichtiger Artikel – der BeM ist wohl die Spielerrolle mit den meisten Hilfe-Threads auf dem Kerbholz 😉

    Eine Frage: Wieso bezeichnest du einen DLPd als Risiko? Ich habe damit eigentlich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Kommentar verfassen