4231 Taktik Guide – Part IIa: Der Regisseur

Im zweiten Abschnitt meiner Serie über das 4-2-3-1 gehe ich auf die Mittelfelder ein, genauer gesagt, auf die zentrale Mittelfeldpartnerschaft. Im letzten Teil habe ich die Hintermannschaft samt Torwart analysiert und die Möglichkeiten die Verteidiger defensiv solide und sicher aufzustellen und auf der anderen Seite schon hier kreative Möglichkeiten zu schaffen für Systeme, die schnelles Umschalten und kreative Lösungsmöglichkeiten bereits ab der 4er Kette anbieten wollen.

Zur Betonung zentrales Mittelfeld: Ich konzentriere mich hier in dem Abschnitt tatsächlich nur auf diese beiden Spieler. Da wir von einem 4-2-3-1 sprechen, und nicht von einem 4-1-2-2-1 beispielsweise, gehe ich immer von einem offensiven Mittelfeldspieler aus. Auch hier werde ich Überlegungen anstellen, vielleicht einfach einen Abschnitt zu den zahlreichen Möglichkeiten der „Triangel“ im Mittelfeld zu schreiben, quasi als Zusatzartikel.

Am Ende des Beitrags findet ihr eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Punkten in Kurzform, falls ihr keine Zeit habt oder euer Wissen kurz auffrischen wollt, inklusive der englischen Bezeichnung. (TL:DR)

Das zentrale Mittefeld ist meines Erachtens nach das Herz des ganzen Systems. Das Umschaltspiel, die Kontrolle über das Feld und die defensive Ausrichtung findet hier statt. Deswegen braucht man hier eine gute Partnerschaft, bei der sich zwei Spieler ergänzen und verschiedene Rollen einnehmen können. Gute Allrounder sind hier mehr gefragt, als individuelle Kreativ-Spezialisten. Ich lege generell wert auf viel Teamwork, hohe Arbeitsraten, weswegen ich lieber auf hart arbeitende Spieler setze die ihre Fehler ausbügeln wollen, als auf geniale Passgeber, die nicht mit nach hinten laufen setze.

ZweiCMs

Wir haben die Möglichkeit sechs verschiedene Rollen für das zentrale Mittelfeld zu verteilen. Doch wir sollten einen Schritt zurückgehen und überlegen, was die Zentrale für uns erledigen soll. Wie bereits oben angerissen sind es vor allem folgende Aufgaben

  1. Die generelle Verknüpfung von Defensive und Offensive
  2. Das Umschaltspiel – Schnelle Konter einleiten 
  3. Stabilisierung – Ballbesitz halten und verwalten, Angriffe aufbauen
  4. Frühe Balleroberung – Ballbesitz hoch zurückerlangen
  5. Defensive Verstärkung – Die Verteidigung hinten unterstützen

Je nach Ausrichtung, wird der eine oder andere Punkt mehr betont werden, der andere vernachlässigt.

Generell brauchen wir also einen Spieler, der von den Attributen her eine gute Ballbehandlung besitzt, sichere Kurz- und Langpässe spielen kann, um schnelle Angriffe einzuleiten. Er benötigt Vision, um seine Mitspieler einzusetzen und das Spielfeld zu beherrschen. Gleichzeitig sollte er auch defensiv gut stehen können, um die Mitte dicht zu machen. Wir nennen ihn, analog zu den anerkannten Fachtermini aus dem Guide to Football Manager den Creator, oder Regisseur.

Auf der anderen Seite brauchen wir einen disziplinierten, hart arbeitenden Abräumer. Jemand der die Defensive stabilisiert, dem Regisseur den Rücken freihält und ihm ermöglicht ruhig zu arbeiten, sich als Kurzpassstation anbietet und auch Bälle verteilen kann, ohne geniale Momente zu haben. Manndeckung, Zweikampf, Arbeitsrate und Ausdauer sind hier für mich die wichtigsten Attribute. Auch das Stellungsspiel spielt eine große Rolle. Alles andere ist für mich eher zweitrangig. Dieser Spieler ist unser Support oder der Sechser.

Regisseur

Ein klassischer Spielzug des Regisseurs: Er beweist Übersicht und leitet mit dem öffnenden Pass auf den Außenverteidiger den Torerfolg ein.

Aus diesen beiden Aufgabengebieten, schmieden wir uns nun also zwei Rollen, welche diese beiden Gebiete erfüllen und sehen zu, dass wir eine sinnvolle Kombination herstellen können.

Generell bin ich jemand, der gerne asymmetrisch spielt. Ich stelle deswegen häufig meinen Support direkt vor die 4er Kette. Das ist ganz einfach der Ursache geschuldet, dass ich seit dem eine Stabilität in der Abwehr erreiche, die ich mit einem Spieler der ZM – Rollen nicht erreicht habe. Trotz alle dem rückt dieser meist soweit auf, dass er eher wie ein ZM spielt und automatisch die Partnerschaft mit dem kreativen Spieler eingeht, und eher wie ein 4-2 arbeitet, jedoch wie ein 4-1-1 aussieht. Die Matchengine lässt eine bessere Repräsentation meines Spielgedankens leider nicht zu.

APHeatmap DLPAM

Positionen eines asymmetrischen 4-2-3-1 mit einem Abräumer vor der Abwehr (6) (A-D) und einem tiefstehendem Spielmacher (27) im zentralen Mittelfeld  (DLP-S)

Rollen des Regisseurs:

  1. Tiefstehende, zurückgezogene Spielermacher
  2. Freier Spielmacher, auch vertikaler Spielmacher (Englisch: Roaming Playmaker)
  3. Vorgeschobene Spielmacher
  4. Zentraler Mittelfeldspieler 

Für mich sind diese 4 Einstellungen die beste Repräsentation des Aufgabengebiets, welches ich mit Hilfe des Regisseurs erfüllen will. Mit Sicherheit gibt es hier andere, funktionierende Möglichkeiten, doch ich mag es ausbalanciert. Da ich meinen Spieler hinter den Spitzen fast immer auf Angriff einstelle, möchte ich gerne den kreativen Mittelfeldspieler auf Unterstützung setzen. Er soll Vorstöße einleiten, Ballbesitz klug kontrollieren und Torchancen aus der Tiefe heraus kreieren, jedoch selten selber zum Abschluss kommen, da wir ganze 4 offensive Spieler vor ihm haben, die das übernehmen sollen. Es ist hier ganz wichtig selber einzuschätzen, wie ausbalanciert wir sind. Setzen wir einen weiteren Spieler auf Angriff, rauben wir uns vorne die Räume, die Passwege und die Spielmöglichkeiten.

Rollen

Der tiefstehende, zurückgezogene Spielermacher ist eher der klassische Pirlo oder Gündogan, der das Spiel aus dem Raum heraus gestellt. Je nach Spielanlage stößt er teilweise mit nach vorne, rochiert den Ball von links nach rechts oder hält im Mittelkreis das Auge nach Stößen über die Flügel auf.

Der freie Spielmacher, auch vertikaler Spielmacher (Englisch: Roaming Playmaker) ist für mich jemand wie Eden Hazard, der während des Spiels fast eher zum Wide Playmaker oder Inside Forward mutiert. Überall auf dem Platz, anspielbereit und in der Lage jemanden in Szene zu setzen, defensiv aber nicht so stark wie seine beiden Playmaker-Geschwister.

Der vorgeschobene Spielmacher ist im Support eher zurückhaltend, unterstützt den Spieler direkt vor ihm und verrichtet defensive Arbeit. Er sucht die Räume hinter der „10“ und versucht dort das Spiel in freien Räumen zu gestalten und Druck auf den Sechzehnmeter-Raum auszuüben. Mit Sicherheit die offensivste Rolle, welche man nicht mit einem weiteren Spielmacher auf der 10er Position kombinieren sollte, da diese sich sonst häufig Spielanteile klauen könnten.

Der zentrale Mittelfeldspieler ist frei und variabel einzustellen. Als individuelle Anweisungen empfehle ich einen pressenden Spieler, mit der Neigung weiter nach vorne zu gehen, direktere Pässe zu spielen und auch mal die Position zu verlassen, sofern man einen stabilen Defensivpartner hat.

Hilfreiche, bevorzugte Spielweisen für den Regisseur sind mit Sicherheit die Neigung Killerbälle zu versuchen und das Tempo zu diktieren, sowie sich aus der Tiefe schon früh die Bälle abzuholen.

Soviel zum kreativen Part der Mittelfeldpartnerschaft. Da dieser doch nun deutlich länger geworden ist, als wie ich es zuerst geplant habe, gehe ich in Part IIb auf die defensive Unterstützung ein und auf das Zusammenspiel unserer beiden Kernelemente im Mittelfeld.


Zusammenfassung des Regisseur:

  • Der kreative Spieler sollte auf Unterstützung / Support eingestellt sein
  • Folgende Rollen eignen sich:
  1. Tiefstehende, zurückgezogene Spielermacher / Deep-Laying Playmaker
  2. Freier Spielmacher, auch vertikaler Spielmacher / Roaming Playmaker
  3. Vorgeschobene Spielmacher / Advanced Playmaker
  4. Zentraler Mittelfeldspieler  / Central Midfielder

Primärattribute:

  • Ballannahme / First Touch
  • Passspiel / Passing
  • Übersicht / Vision 
  • Arbeitsrate / Work Rate
  • Entscheidungen / Decisions

Sekundärattribute:

  • Technik / Technique 
  • Ohne Ball / Off the Ball
  • Stellungsspiel / Positioning

Bevorzugte Spielweisen / Player-preferred Moves:

  • Dictates Tempo
  • Tries Killer Balls
  • Comes Deep to get Balls

Beachte: Je nach Rolle, sind auch noch andere Attribute oder Spielweisen gefragt. Zum Beispiel sollte ein Roaming Playmaker noch Schnelligkeit und Beweglichkeit mitbringen, auch Antizipation ist wichtig. Die oben genannten Attribute und Spielweisen sind auf das Wichtigste für alle Rollen konzentriert.

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